SOS SEO Kirche

SEO – Suchmaschinenoptimierung bzw. Search Engine Optimization – zielt darauf ab, unter die ersten Treffer bei der Ergebnisliste einer Suchmaschinenabfrage zu kommen. Wer nicht unter den ersten ist, wird nicht wahrgenommen. Denn die meisten Menschen blättern nicht auf die zweite Trefferseite durch. Perspektivisch wird SEO noch wichtiger, denn bei Sprachsuche gibt es keine Trefferliste, sondern der erste Treffer, der vorgelesen wird, ist entscheidend. Wenn man sieht, welche Ressourcen Unternehmen auf SEO verwenden (es gibt z.B. in einigen eigens einen / eine CEO SEO) und wie erfolgreich sie auch bei kirchenspezifischen Begriffen sind, muss man innerhalb der Kirche SOS funken.

Ehrliche Bestandsaufnahme

Nur als Schlaglicht: selbst wenn man das kirchenspezifische Wort Trauung in der Suchabfrage verwendet, ist keine kirchliche Website unter den ersten vier (unbeworbenen) Treffen.

Suche nach Trauung
Suche nach Trauung

Am Anfang von SEO steht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Nur wenn der Ist-Zustand definiert ist, lässt sich zeigen, wie SEO die Ergebnisse positiv nach vorne bringt. Die Präsentation zeigt Beispiele für die Pressearbeit, die ich auf einem Treffen von Öffentlichkeitsarbeitern zeigte.

PraesentationSEO

SEO beginnt mit der Einstellung

Bei SEO geht es zunächst um die Einstellung: Wieviel Ressourcen setzen wir für die Contentproduktion ein? Und wieviel für SEO? Es nützt wenig, guten Inhalt zu erstellen, der nicht gefunden wird. Daher lieber weniger Inhalte produzieren, die dafür besser gefunden werden.

Außerdem: für wen erstellen wir Inhalte? Wir müssen die Sprache können, die potenzielle Kundinnen und Kunden sprechen und keinen Kirchensprech, also beispielsweise „Missbrauch“ statt „sexualisierte Gewalt“ und „Hochzeit“ statt „Trauung“ nutzen.

Außerdem müssen wir wissen, was wir wollen. Will eine Kirchengemeinde wirklich bei Taufe bundesweit unter den ersten Treffern sein? Oder nur bei lokaler Suche bzw. der der Suche nach Taufe in Kombination mit dem Ortsnamen? Bei Hochzeit vorne zu sein, dürfte unmöglich sein, aber es gibt Kombinationen, z.B. mit dem Ortsnamen? Welche andere Kombinationen sind sinnvoll? Was ist das Ziel unserer SEO-Bestrebungen? Klicks auf die Website? Oder dass User auf den ersten Blick die notwendige Information schon direkt bei Google erhalten und gar nicht mehr auf die Website gehen müssen? Also was sind unsere Antworten auf diese Fragen;

  • Lokale Suche?
  • Kombination von Suchworten?
  • Conversion auf Website oder bei Google?

Wenn wir darauf Antworten haben und wir bereit sind, uns auf SEO einzulassen, können wir systematisch anfangen. Anbei zehn Punkte – sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, auch ist die Reihenfolge keine abschließende Priorisierung. Einige Punkte lassen sich einmalig umsetzen, indem sie im Web Content Management implementiert werden, andere erfordern eine kontinuierliche Beschäftigung.

SEO 1: Geschwindigkeit

„53% of mobile site visits leave a page that takes longer than three seconds to load”, so ThinkwithGoogle. Ladegeschwindigkeit ist Ranking Factor! Dies gilt besonders für mobile Nutzung, daher gibt es sogar spezielle AMP-Seiten (accelerated mobile pages).

Also sicherstellen, dass die eigene Seite schnell lädt.

SEO 2: Genauigkeit

Akurate Daten liefern, ferner hilft die Auszeichnung der Daten gemäß schema.org.

SEO 3: Struktur der Website

  • Sind die wichtigsten Seiten von der Startseite erreichbar?
  • Verlinkt jede (Unter-)Kategorie auf eine (Ober-)Kategorie oder Startseite?
  • Ist jede wichtige Seite mit drei Klicks von der Startseite erreichbar?

Wenn die Site gut strukturiert ist, hilft dies sowohl dem Crawler der Suchmaschine als auch menschlichen Nutzerinnen und Nutzern.

SEO 4: Logische URL-Struktur

https://ift.tt/2KdBvNL ist ein Beispiel und selbsterklärend.

SEO 5: Content mit Mehrwert

  • Welchen Mehrwert bietet der Content?
  • Kein Suchmaschinen-Spamming!

SEO 6: Text strukturieren

Nur ein Beispiel für Strukturierung: Überschriften h1, h2, h3, h4 sinnvoll einsetzen.

SEO 7: Links

  • Externe Links erbitten
  • Interne Links zielgerichtet einsetzen

Denn: Links sind ein wichtiger Ranking Factor!

An dieser Stelle auch ein Hinweis zu doppelten Inhalten, sogenanntem duplicate content. Wenn derselbe Inhalt auf mehreren Seiten der Website dargeboten wird, kann auch auf diese verschiedenen Seiten verlinkt werden. Statt dass sich der “link juice” auf eine Seite konzentriert, verteilt dieser sich auf die verschiedenen Seiten und mindert daher die Relevanz der jeweiligen Inhalte.

SEO 8: Meta-Daten

Meta-Daten (z.B. title, description) verwenden! Sie bestimmen auch die Darstellung der Suchergebnisse und sind entscheidend, ob jemand auf den Link klickt oder nicht.

SEO 9: Keyword-Recherche

  • Passende Keywords suchen
  • Ziel: ggfs. mit Kombination auf erster Seite
  • Ggfs. lokale Gegebenheiten einbeziehen

SEO 10: Suche ist bidirektional

https://platform.twitter.com/widgets.js

Auswertung von Suchabfragen (Sitesearch/Google) zeigen, was Nutzerinnen wollen und (noch nicht) finden. Solche Inhalte dann gezielt platzieren.

Zum Schluss

Wenn die Einstellung stimmt, sind auch SEO-Plug-ins für WCM-Systeme sinnvoll. Für WordPress ist Yoast Standard. Anregungen für die obigen zehn Punkte verdanke ich Vorträgen auf der Onward 19, der dmexco und auch dem Artikel “SEO 2019 – Die 15 Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung“, dort findet sich zu einigen Punkten auch weitere Detailinformationen.

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Die Suche wird viel einfacher (für den User) – und zugleich viel aufwendiger (für Anbieter)

Future of Search
“Future of Search” – so das Thema auf der Konferenz Onward 19

Chatbots und Sprachassistenten verändern unsere Nutzererfahrung. Niemand möchte mehr eine Liste blau unterlegter Links auf eine Suchanfrage haben, sondern erwartet aufbereitete Information.

“Wo gibt es den besten Kaffee in meiner Nähe?” Damit diese Fragen beantwortet werden können, müssen die zugrundeliegenden Daten mit entsprechenden Relationen versehen sein – also als strukturierte Daten vorliegen.

https://platform.twitter.com/widgets.js

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Skype-Gottesdienst: Wie macht man es und lohnt sich der Aufwand?

Skype-Gottesdienst in Rheydt und Pasym am 1.9.2019

Am 1. September – genau 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges – habe ich von Polen aus an der Übertragung eines Skype-Gottesdienstes mitgewirkt, der in Rheydt und Pasym gemeinsam gefeiert wurde. Die Predigt hielt in Rheydt Präses Manfred Rekowski, der zwei Wochen vorher in Dźwierzuty / Mensguth, einer Fialialgemeinde von Pasym, dem früheren Passenheim in Masuren/Polen, einen Abendmahlskelch zurückgegeben hat, der in den Kriegswirren verloren gegangen und in diesem Jahr in einem Auktionshaus wieder aufgetaucht war.

Die Rückgabe des Kelches und der gemeinsame Gottesdienst der beiden Gemeinden, die in einer Partnerschaft miteinander verbunden sind, waren ein Zeichen gelebter Versöhnung zwischen Deutschen und Polen.

Gemeinsame Gottesdienste via Skype in der Partnerschaftsarbeit

Für einen Skype-Gottesdienst, der gemeinam mit dem Kirchenkreis Goma in der Demokratischen Republik Kongo gefeiert wurde, erhielt im letzten Jahr der Kirchenkreis Saar-West einen Medienpreis der Evangelischen Kirche im Rheinland. Leider ist dieser Gottesdienst nicht als Video aufrufbar und es gibt keine online verfügbare Projektbeschreibung, daher schreibe ich hier unsere Erfahrungen auf, denn im Format von Skype-Gottesdiensten sehe ich eine gute Möglichkeit für Partnerschaftsarbeit.

Technik und Vorbereitung

Wichtigste technische Voraussetzung: an beiden Standorten muss es eine High-Speed-Internetverbindung geben. Diese am besten testen, bevor man überhaupt mit der weiteren Planung beginnt. Wenn es in der Kirche keinen DSL-Anschluss gibt, reicht unter Umständen auch eine Mobilfunkverbindung – beispielsweise auch über einen Gigacube – aber auch in diesem Falle muss die Netzabdeckung gut sein, was in Kirchen auch nicht immer der Fall ist. Also in jedem Fall vorab testen. Zur groben Orientierung: Für SD-Qualität benötigt man mindestens ca. 2 Mbit/s und für HD-Qualität ca. 6 Mbit/s im Upload.

In guten Ton zu investieren lohnt sich auf jeden Fall. Im Idealfall kann der Ton über die PA-Anlage in der Kirche abgegriffen werden. Um Brummschleifen zu verhindern, war der Einsatz einer DI-Box sinnvoll.

Für die Bildübertragung hatten wir in beiden Kirche jeweills zwei Kameras, eine nahm die Totale auf, die andere war besetzt. Beide Kameras und der Ton waren an einen Webpresenter (von Blackmagic) angeschlossen, so dass durch einfaches Umschalten am Webpresenter die Bildregie erfolgen konnte. Gegenüber dem PC, auf dem Skype läuft, gibt sich der Webpresenter als USB-Webcam aus. Technisch ist also die Skype-Übertragung ein ganz normaler Conference Call. (Zur Aufzeichnung des Gottesdienstes hatten wir in der Skypeschalte einen dritten Teilnehmer, der stumm blieb und von dessen Rechner wir die Übertragung gegrabbt haben.)

In jeder Kirche gab es eine Person für Regie und eine für die bemannte Kamera. Aus organisatorischen Gründen gab es außerdem einen Tontechniker in Polen.

Beamer und Leinwand

In den beiden Kirchen waren jeweils Beamer und Leinwand so positioniert, dass alle Besucherinnen und Besucher problemlos dem Gottesdienstgeschehen in der jeweils anderen Kirche folgen konnten.

Drehbuch: weniger ist manchmal mehr

Für den Gottesdienstablauf gab es ein Drehbuch. Achtung: die veranschlagten Zeiten sollte man realistisch schätzen, hierfür gibt es auch Tools. Über zu kurze Gottesdienste wird sich niemand beschweren, bei zu langen Gottesdiensten sinkt die Aufmerksamkeit. Weniger ist daher manchmal mehr. (Der hier gezeigte Gottesdienst ist länger als geplant, daher die Empfehlung, die Zeit realistisch einzuschätzen.) In der Partnerschaftsarbeit werdem oft zwei Sprachen benutzt, auch für die Übersetzung geht Zeit drauf. Außerdem darauf achten, dass beide Seiten gleichmäßig beteiligt sind. Um Rückkoppelungen zu vermeiden, kann immer nur eine Seite Ton übertragen. Deshalb haben wir im Drehbuch markiert, wer wann Ton sendet. Wer nicht sendet, mutet seinen Ton. An einigen Stellen sendet niemand – wenn zum Beispiel jeder in seiner Sprache das Vaterunser betet.

Proben und Regie

Es lohnt sich auf jeden Fall, den Gottesdienst vorab zu proben. Das umfasst den Aufbau und den Ablauf. Erst unter realen Bedingungen kommt es vielleicht zum Brummen oder Rauschen beim Ton. Merkt man dies einen Tag vorher, lässt sich noch Abhilfe schaffen. Da an zwei Orten Regie geführt wird, sollte man einen Kommunikationskanal zwischen beiden Standorten haben. Um die Kameraleute auch einzubeziehen, haben wir eine Konferenzschaltung genutzt, in die sich jeder per Handy eingewählt hat. Dabei am besten das Handy mit einem Kopfhörer verbinden. Innerhalb Europas fallen keine Roaminggebühren an. Bei einem Skypegottesdienst mit einem außereuropäischen Partner benötigt man einen anderen Kanal zur Kommunikation.

Gottesdienst als Erlebnis

Man sollte nicht unterschätzen, dass solch ein Gottesdienst auch ein Erlebnis für die beteilgten Gemeinden sind. An unterschiedlichen Orten kommt man gemeinsam im Gebet zusammen. Am Ende des Gottesdienstes herrschte eine gerührte Stimmung in der Kirche in Pasym. Dass Deutsche und Polen gemeinsam an unterschiedlichen Orten Gottesdienst an diesem geschichtsträchtigen Tag feiern, stiftete Gemeinschaft über Sprachgrenzen und räumliche Entfernung hinweg. 

Gemeindeglieder schüttelten uns am Ende des Gottesdienstes die Hände und bedankten sich bei uns, wir spürten die Ergriffenheit, auch wenn wir wegen der Sprachbarriere nicht alles verstanden. 

Von daher hat sich der Einsatz aus unserer Sicht gelohnt – im Nachgang weiß man natürlich auch, was man noch besser machen könnte. Dies tut dem positiven Fazit aber keinen Abbruch. 

Rückflug

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen ist vielschichtig. Dies wurde mir nochmals beim Rückflug deutlich. Wir stiegen am Olsztyn-Mazury Airport in den Flieger zurück nach Dortmund. 80 Jahre vorher sind von diesem Flughafen – damals unter dem Namen Groß Schiemanen – Görings Bomber zum Angriff gegen Warschau gestartet.


Session zum Skype-Gottesdienst auf dem Barcamp am 14.9.2019 in Essen

Session zum Skype-Gottesdienst auf dem Barcamp Kirche Online im September, Erfahrungen zum Skype-Gottesdienst ab Minute 37.

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Unverschämt schamlos über Sex und Gott reden

“Shameless. A Sexual Revolution” lautet der amerikanische Titel von Nadia Bolz-Webers neuem Buch, auf Deutsch ist es jetzt unter dem Titel “Unverschämt schamlos. Mein Plädoyer für eine sexuelle Reformation” erschienen.

So wie Martin Luthers Reformation vor 500 Jahren die Menschen vom Zwang befreite, den von der Kirche auferlegten Verpflichtungen nachzukommen, möchte Bolz-Weber die Menschen von unheilvollen kirchlichen Moralvorstellungen befreien, die ihr Leben zerstören.

Nadia Bolz-Weber, "Unverschämt schamlos. Mein Plädoyer für eine sexuelle Reformation"
Nadia Bolz-Weber, “Unverschämt schamlos. Mein Plädoyer für eine sexuelle Reformation”

Sie setzt sich dabei mit der in amerikanischen konservativen Kirchen verbreiteten Keuschheitskultur auseinander, die sie als Ursache für eine menschenfeindliche Sexualmoral und Theologie sieht. Deren zentrale Aussage beschreibt Bolz-Weber ironisierend so, “es sei Gottes Plan, dass alle Menschen heterosexuelle Cisgender-Christen sind, die niemals mit jemandem Sex haben, bis sie ihre wahre Liebe heiraten und Kinder kriegen.” Das Versprechen dieser Theologie lautet, wer bis zur Ehe ohne Sex lebt und in der (natürlich verschiedengeschlechtlichen!) Ehe die vorbestimmte Geschlechterrollen einnimmt, folgt Gottes Plan und wird gesegnet. Die Erfahrung aber für die überwiegende Anzahl von Christenmenschen sieht anders aus, sie werden seelisch krank aufgrund dieser theologischen Engführung. Dagegen setzt Bolz-Weber:

Für Gott ist jeder anders, aber niemand ist besonders. Du bist niemand Besonders, weil du straight bist. Oder schwul. Oder ein Mann. Oder cisgender. Oder trans. Oder asexuell. Oder verheiratet. Oder ein Sexprotz. Oder eine Jungfrau. Wir alle haben denselben Gott, der in uns dasselbe Ebenbild angelegt und uns unvollkommenen Menschen so überwältigende Dinge anvertraut hat wie Sexualität, Kreativität und die Fähigkeit, als Individuen zu lieben und geliebt zu werden, wie wir sind.

Persönlich und unverkrampft spricht Bolz-Weber über Sexualität, sexuelle Identität und Gender. Sie erzählt, wie sie selbst die sexualethische Enge in einer konservativen erlebte – und ihre erste sexuelle Begegnung verheimlichen musste. Auch eine Abtreibung und ihre Scheidung spart sie nicht aus. Im Buch wird sie als Mensch greifbar, auf Augenhöhe spricht sie ihre Leserinnen und Leser an. Außerdem erzählt sie aus ihrer Seelsorgearbeit als Pfarrerin und kann so an Beispielen mitten aus dem Leben ihre lebensbejahende Theologie entfalten. Statt prüder Sexualmoral und lustfeindlicher Kirchenväter erzählt sie die biblische Botschaft aus einer lebens- und sexbejahenden Perspektive.

Und dann schenkte Gott die beiden Erdling einander, weil sie zueinander gehörten. Sie waren für- und voneinander gemacht. Und sie passten zusammen. Und deshalb haben bis zum heutigen Tage viele von uns das Bedürfnis, mit einem Gegenüber emotional, sexuell und geistlich zusammenzupassen.
Und die beiden Erdlinge, der Mann und die Frau, waren nackt. Sie schämten sich dafür nicht. Scham gab es schließlich noch nicht. Sie kommt aber schon bald.

Als Gegenmittel gegen Scham, Häresie und allzu vertraute Ungerechtigkeit setzt Bolz-Weber Freiheit, Mut und Anteilnahme:

Anteilnahme bringt uns näher ans Herz der Ethik Jesu: Gott zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst. […] Anteilnahme bedeutet, darauf zu achten, wie unser sexuelles Verhalten sich auf uns und andere auswirkt. […] Eine Sexualethik, die Anteilnahme einschließt, bedeutet, dass ich jemanden als ganze Person sehe und nicht nur als willigen Körper.

Bolz-Webers Buch ist gut zu lesen, sie spricht offen, ehrlich und ohne Tabus über Gott und Sex. Dabei kommt die für für sie typische Mischung aus Verletzlichkeit, Humor und Offenheit zum Tragen. Ihr Buch richtet sich an alle, ihr Leben als sexuelle Wesen und ihr Leben mit Gott nicht voneinander trennen wollen.


Nadia Bolz-Weber, Unverschämt schamlos, ISBN 978-3-96140-116-1, € 16,00

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Klausurtag “Digitalisierung” in einer Kirchengemeinde

Ich erhilet eine Einladung, auf einer Presbyteriumsklausurtagung zum Thema “Digitalisierung” zu referieren. Besonders sollte ich auf Chancen und Risiken der Digitalisierung eingehen, anschließend sollte dann eine Diskussion dazu erfolgen.

Die Einladung nahm ich an, machte aber einen anderen Vorschlag: den Klausurtag als Workshoptag durchführen. Außerdem zusätzlich Mitarbeitende und interessierte bzw. fachkundige Gemeindeglieder einladen. Nach einem einführenden Vortrag, dann ein Workshop, in dem konkrete Digitalisierungsprojekte skizziert werden, so dass anschließend das Presbyterium entscheiden kann, was welche Projekte man umsetzen möchte.

Workshop als Modell

Ich berichte von diesem Klausurtag, denn er kann eine Vorlage für andere Gemeinden sein, die sich mit dem Thema Digitaliserung beschäftigen. Manchmal erhalte ich Anrufe mit der Bitte um meine Einschätzung zu einem bestimmten Thema, z.B. was ich von dieser oder jener App halte. Statt jedoch eine App einzuführen (weil das nun hipp ist), halte ich es für besser, zunächst grundsätzlich zu überlegen, wie Digialisierung Gemeindearbeit unterstützen kann. Dadurch, dass nicht nur das Presbyterium eingeladen war, erhielt der Workshop eine Öffnung in die verschiedenen Bereiche der Gmeindearbeit. Am Anfang gab es einen großen Trichter möglicher Ideen und Projekte, die im Laufe des Tages konkretisiert werden konnten.

Bei Digitalisierung geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Veränderung und Kulturwechsel, Neues zu denken wagen. Um das zu verdeutlichen – auch angeregt von Barcamps – schlug ich das Du für unseren Klausurtag vor, die rund 20 Teilnehmenden ließen sich darauf ein und stellten sich in der Begrüßungsrunde mit ihrem Vornamen und drei Hashtags vor.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, es geht auch um Gemeindeaufbau

Nach einem kurzen theologischen Impuls hielt ich einen Vortrag zur Einführung ins Thema. Auch wenn dasThema Digitaliserung ist, reden wir implizit über Gemeindeaufbau, denn etwas digital zu machen ist kein Selbstzweck. Nach der Diskussion und Aussprache gab es in einer ersten großen Runde die Themensammlung. Jeder erhielt drei Karten, auf die man eine Idee schreiben konnte, wo Digitalisierung die Gemeinde voranbringen könnte. (Zur Anregung lese ich während der Ideensammlung auch die Sessionvorschläge vom Barcamp Kirche Online vor.)

Jeder liest seine Ideen vor und heftet sie an die Pinnwand. Hat jemand bereits eine ähnliche Idee vorgetragen oder den selben Projektvorschlag gemacht, heftet man die eigene Karte dazu. So ergibt sich bereits eine erste Clusterung.

Neben konkreten Projektideen gibt es auch Querschnittsthemen: digitale Inklusion, Beachtung des Datenschutzes, keine Überforderung bzw. sinnvoller Einsatz personeller Ressourcen.

Themencluster

In der Mittagspause clustere ich die Themen. Natürlich haben die vorgetragenen Ideen mit der konkreten Gemeindesituation zu tun, aber sie zeigen auch an, wie Gemeindeleben in einer rheinischen Gemeinde digital werden kann:

  • Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation: Optimierung der Gemeindehomepage, Social Media, Präzenz bei Suchmaschinen und Portalen, Zielgruppenfokussierung der Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Verlinkung, Kalender
  • Gottesdienst: Gottesdienstübertragung als Livestream und als Videoaufzeichnung, Predigt als Text und Audio zum Download, digitales Gesangbuch mit Projektion auf Leinwand oder Download auf das Smartphone
  • Gemeindekommunikation: Messenger, Konfiapp, interne Kommuniktion in der Kita, gemeinsames digitales Arbeiten in Gruppen, digitales Bibelteilen
  • Alles andere: Ressourcenplanung wie Raumbelegungsplan oder Vergabe von Gemeindebus und Beamer, digitaler Schaukasten für das Gemeindehaus, Kollektomat bzw. bargeldlose Kollekte

Kleingruppen erarbeiten Stories

Am Nachmittag gibt es zwei Blöcke in Arbeitsgruppen mit zirka fünf Personen. Im ersten Teil geht es darum, aus den Themen “Stories” zu machen. Dies geschieht in Anlehnung an die Terminologie des agilen Arbeitens.

Zum Beispiel: aus der Idee “Kollektomat” werden mehrer Stories:

Als BesucherIn der Kirche möchte ich ohne Bargeld spenden können.
Akzeptanzkriterien:
(1) Die Spende kann per Kredit- und Debitkarte getätigt werden.
(2) Die Spende kann über Onlinebezahldienste (Paypal, ApplePay) abgewicklet werden.
(3) Spenden können auch außerhalb des Gottesdienstes vorgenommen werden.

Schreibt man in dieser Weise die Anforderungen auf, öffnet sich der Blick: statt eines fest installierten Kollektenterminals könne diese Funktionalität auch über ein Smartphone abgebildet werden, statt Hardware leitet dann ein QR-Code zum entsprechenden digitalen Bezahlverfahren. Für Mitarbeitende in der Verwaltung sieht die Story anders aus, hier wäre ein Akzeptanztkriterium, dass die Spende oder Kollekte einem bestimmten Zweck zweifelsfrei zugeordnet werden kann.

Die Ideen in Stories zu konkretisieren hilft, dass Stakeholder ihre unterschiedlichen Interessen einbringen können. Dies ging nur, weil zum Workshop auch Mitarbeitende aus den verschiedenen Aufgabenfeldern der Gemeindearbeit vertreten sind, die ihre spezielle Fachkenntnis und ihr Interesse einbringen können. Noch wichiger war jedoch das Bestreben, auch eine Außenperspektive einzunehmen, was z.B. wünschen sich lose Verbundene von ihrer Kirche?

In einer zweiten Runde wird in den Gruppen erarbeitet, welche Schritte zu unternehmen sind, um aus den Stories Projekte zu machen. So entsteht zu jedem Thema eine Projektskizze und mit konkreten Aufträgen, z.B. Rechtslage klären, Erfahrungen anderer einholen, technische Voraussetzungen schaffen etc.

Workshopergebnisse auf Pinnwand
Workshopergebnisse auf Pinnwand

In einer anschließenden Runde stellen die Kleingruppen ihre Projektskizzen vor der Gesamtgruppe, aus der Gesamtrunde kommen Kommentare, Anmerkungen oder Ergänzungen, so dass alle nochmal ihre Komeptenz einbringen können

Leitungsgremium kann weiterarbeiten

Am Ende des Tages stehen auf den Pinnwänden Projektskizzen – diese sind eine gute Grundlage, so dass das Leitungsgremium diese Projekte beraten kann und Arbeitsaufträge zur weiteren Planung bzw. Umsetzung vergeben kann.


KlausurtagLeichlingen20190921

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Interkulturelle Öffnung auch für Unicode-Sonderzeichen

In der Evangelischen Kirche im Rheinland ist die interkulturelle Öffnung wichtig, bereits 2015 wurde zu diesem Thema ein Werkbuch veröffentlicht. Aber im Digitalen gibt es noch Defizite mit der interkulturellen Öffnung, wie wir es heute auf der Website der rheinischen Kirche feststellen mussten.

Charset
Charset

Lange ist die Zeit vorbei, dass Computer nur die (lateinischen) Großbuchstaben A bis Z beherrschten, auch deutsche Sonderzeichen wie Umlaute und scharfes S sind mittlerweile kein Problem. Allerdings hakte es heute bei türkischen Sonderzeichen, die in einem Namen vorkamen. Der Artikel, der diesen Namen enthielt, wollte nicht online gehen. Nach gründlicher Recherche fand unser Dienstleister den Grund. Wir arbeiten mit WordPress, haben jedoch einen Contentpool im Hintergrund, der eine MySQL-Datenbank nutzt – und diese konnte bis jetzt nicht mit allen Sonderzeichen umgehen, wie unser Dienstleister schreibt:

Nach der Sichtung der Logs ist uns aufgefallen, das einige eigentlich UTF-8-konforme Zeichen nicht in die Datenbank importiert werden konnten. Grund dafür ist das hinterlegte Charset in der Datenbank gewesen. In MySQL ist eine mit UTF-8 kodierte Datenbank dazu in der Lage, Zeichen von maximal drei Byte Länge zu speichern. Manche UTF-8-Charaktere sind allerdings bis zu vier Byte lang. Dies ist ein Bug in MySQL, der nie offiziell vom Hersteller gefixed wurde. Hierzu wurde lediglich ein Workaround angeboten, das Charset “utf8mb4”.
Wir haben nun ein Datenbank-Backup erstellt und die Datenbank mit dem korrekten Charset neu importiert. Die Logs weisen nun nach einem “Crawl” der Contentpool-Artikel keine Fehler mehr auf, die auf dieses Problem hinweisen. Es sollte nun möglich sein, alle Charaktere des UTF-8-Charsets zu verwenden, darunter auch die heute beschrieben Sonderzeichen wie “ş” und “ê”.

Was mir zu denken gibt: Warum trat der Fehler erst jetzt auf? Entweder haben wir bis jetzt keine türkischen Sonderzeichen auf unserer Website verwendet oder wir haben die diakritischen Zeichen bei den Buchstaben einfach weggelassen und die entsprechenden einfachen lateinischen Zeichen verwendet, also “s” statt “ş”.

Auch wenn es nur ein Workaround ist, aber der Fehler ist nun behoben. Wir können ab jetzt Zeichen auch mit einer vier Byte langen Codierung in Artikeln verwenden – das gilt nicht nur für türkische Sonderzeichen, sondern auch für Sonderzeichen aus anderen Sprachen auch. Neben “ä”, “ö”, “ü” uns “ß” können wir nun auch “ş” schreiben. Interkulturelle Öffnung gelingt nun auch auf Buchstabenebene.

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Projektupdate: “Google, Alexa, Siri, wo ist Gottesdienst in meiner Nähe?”

Für viele Menschen ist der Erstkontakt zur Gemeinde digital,
daher sind Suchdienste der Türöffner, um Gemeindeangebote vor Ort oder im Web
bekannt zu machen.

Suchmaschinen oder Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Google Assistent, die immer weiter in den Alltag vordringen, liefern oft noch keine zufriedenstellende Antwort auf Fragen wie: „Wann ist Gottesdienst in meiner Nähe?“ Deshalb hat die Evangelische Kirche im Rheinland am 1. März ein Pilotprojekt in enger Abstimmung mit der EKD-Stabstelle Digitalisierung gestartet. Die Umsetzung geschieht mit dem Spezialdienstleister Yext, der im digitalen Wissensmanagement weltweit führend tätig ist.

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Die Kekse sind tot: Steckt digitales Marketing in einer Identitätskrise?

Cookie
Cookie

Viele mögen gerne Kekse essen, aber Cookies sind nicht nur süße Backwaren, sondern auch Dateien, die im Browser abgelegt werden und so die Identifikation von Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht. Diese Cookies sind für viele User lästig, sie ermöglichen es, dass einem Werbeanzeigen zum selben Thema auf den verschiedensten Seiten angezeigt werden, wenn man sich einmal für ein Thema interessiert hat. Seit rund 25 Jahren gibt es Cookies, aber nun kommt langsam ihr Ende und die digitale Werbewirtschaft fragt, was an ihre Stelle tritt.

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Digitalisierung ist in jedem Land anders

Scherenschleifer in einem Vorort von Mexiko-Stadt
Scherenschleifer in einem Vorort von Mexiko-Stadt

Im Urlaub andere Länder zu besuchen, gibt die Chance, Neues zu entdecken und auf vermeintlich Bekanntes andere Perspektiven zu gewinnen. Diesen Sommer hatte ich die Möglichkeit, länger in Mexiko zu sein.

Ein Pfeifen auf der Straße in einem Vorort von Mexiko-Stadt. Der Scherenschleifer steht vor der Tür. Seit 46 Jahren, so erzählt er, macht er in diesem Vorort die Runde auf seinem von ihm selbst umgebauten Fahrrad und zeiht von Haus zu Haus. Scharf geschliffen gibt er den Kundinnen und Kunden ihre Messer und Scheren zurück.

Auf mich wirkt er wie jemand aus einer anderen, sonst längst vergangenen Zeit. Ich frage ihn, ob ich ein Foto von ihm machen darf. In Mexiko gibt es diesen Beruf noch, aber wie lange noch? Messer und Scheren aufzuarbeiten statt neue zu kaufen, ist sicher nachhaltig, aber hat der Beruf des Scherenschleifers wirtschaftlich noch eine Zukunft? In Deutschland ist er längst ausgestorben. Aber: wäre es nicht gut, wenn wir diesen Beruf noch hätten? Digitalisierung verändert die Berufswelt, aber ich frage mich, ob diese Veränderungen nur nach Wirtschaftlichkeit erfolgen dürfen? Sollten bestimmte Berufe vielleicht subventioniert werden, weil sie der Gesellschaft gut tun, indem sie beispielsweise Nachhaltigkeit fördern? Der Scherenschleifer bringt mich jedenfalls zum Nachdenken.

Digitalisierung schrittweise

Geburtsurkundenausgabe
Geburtsurkundenausgabe

Neben einem Scharzen Brett in einem Bürgermeisteramt in einer Kleinstadt steht ein Geburtsurkundendrucker. Als ich dieses Gerät sehe, frage ich nach, ob ich richtig verstehe, was dieses Gerät kann. Man gibt in diesen Automaten seine Personenkennziffer CURP (Clave Única de Registro de Población) ein und erhält eine ausgedruckte Geburtsurkunde. Das geht nicht nur über den Automaten in der Stadtverwaltung, sondern auch online. Ich denke direkt an die Missbrauchsmöglichkeiten, wenn man die CURP anderer Personen kennt und sich so deren Geburtsurkunden verschaffen kann, Einheimische dagegen versichern mir, welche Erleichterung der Automat bedeutet, da man nun nicht mehr in der Stadtverwaltung anstehen müsse.

Natürlich ist ein digital generierter Ausdruck einer Geburtsurkunde nur ein Zwischenschritt zu einer digitalen Verwaltung, aber mir erscheint es durchaus sinnvoll, nicht immer alles voll digital zu wollen und aufgrund der Komplexität dann erstmal nichts zu haben. In Mexiko erhält man wenigstens online seine Geburtsurkunde, während wir in Deutschland viel über E-Government reden, aber noch wenig Dienstleistungen digital von der Verwaltung abrufen können.

Uberall anders

Uber
Uber

In Mexiko habe ich das erste Mal Uber ausprobiert. Im Leben der Mittelkasse ist dieser Dienst fest verankert. Als Kunde rufe ich ein Auto, das innerhalb kürzester Zeit kommt. Bezahlen kann ich online oder bar. Es ist billiger als ein Taxi, auch wenn die Preise etwas nach Tageszeit schwanken. Hat es gerade einen großen Regenschauer in Mexiko-Stadt gegeben, steigen die Uber-Preise etwas an, da nun eine höhere Nachfrage besteht. Fahrer können sich bereits vor Ankunft am Zielort aussuchen, welche Fahrt sie als nächstes übernehmen, so vermeiden sie Leerzeiten, die Taxis sonst haben. Zumindest in Mexiko-Stadt – so mein Eindruck – scheint es ein gutes Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu geben.

Ich war (und bin in Bezug auf Deutschland) gegenüber Uber sehr kritisch eingestellt. Gegenüber Taxis gelten Uber-Fahrten in Mexiko als sicher. Es lässt sich nachvollziehen, wer einen fährt, außerdem weiß Uber – und wen man es sonst über die App noch wissen lassen will – jederzeit den eigenen Standort. Die Gefahr einer Entführung verringert sich so.

Mit mehreren Fahrern habe ich mich unterhalten. Einige stammten aus einem Büro-Job und haben zusätzlich für Uber gefahren, bis sie ihren Zweitjob zum Hauptjob machten und nur noch als Uber-Fahrer unterwegs sind. Zumindest im mexikanischen Lohngefälle ist Uber oberhalb vieler Büro-Jobs angesiedelt. Wer kein eigenes Aut hat, mietet sich eins und fährt damit.

Ich habe gelernt, Urteile über Plattformen lassen sich nicht weltweit treffen, sondern man muss die Eigenarten des jeweiligen Landes einbeziehen.

Digitalisierung geschieht weltweit, aber in jedem Land stellen sich andere ethische Fragen – und auch die Antworten sind nicht auf andere Länder übertragbar. Dies nehme ich jedenfalls aus dem Urlaub mit zurück nach Hause.

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