Gebet während einer Pandemie (aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen)

Gebet während einer Pandemie

Gebet während einer Pandemie

Mögen die, deren
Alltag nun Einschränkungen unterliegt,
sich an die erinnern,
deren Leben bedroht ist.

Mögen die, die zu
keiner Risikogruppe gehören,
sich an die erinnern, die am
stärksten verwundbar sind.

Mögen die, die den Vorteil von Heimarbeit haben,
sich an die erinnern, die sich Kranksein nicht leisten können und zur Arbeit müssen, um ihre Miete zu bezahlen.

Mögen die, die eine
flexible Kinderbetreuung haben, wenn Schulen und Kitas geschlossen
sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.

Mögen die, die
Reisen absagen müssen,
sich an die erinnern, die keinen
sicheren Zufluchtsort haben,

Mögen die, die etwas zurückgelegtes Geld in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinneren, die gar keine Rücklagen haben.

Mögen die, die zu
Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die
kein Zuhause haben.

Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen.
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden, wie wir an unsere Nächsten weitergeben, dass Gott uns umarmt.
Amen.


Dieses Gebet von Cameron Wiggins Bellm wurde in der Facebook-Gruppe Holy Pandemic! Encouragement & Memes von Heidi Campbell‎ veröffentlicht und von mir ins Deutsche übersetzt / übertragen. Gerne verbreiten.

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Gottesdienst per WhatsApp: Ja, es geht in Zeiten des Coronavirus

WhatsApp-Gottesdienst in spanischsprachiger Gemeinde in Duisburg

Die Verbreitung des Coronavirus führt zu Absagen von Gottesdiensten. Wenn Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen vor Ort nicht mehr stattfinden, liegt es nahe, das Gemeindeleben anders zu organisieren. Gerade in der Krise muss Kirche nah bei Menschen sein. Dabei muss man auf Mittel zurückgreifen, die in der Gemeinde in Gebrauch sind. Dazu zählt auch WhatsApp. Kann man über WhatsApp Gottesdienst feiern? Ja, natürlich geht es. Datenschutzrechtlich ist es selbstverständlich bedenklich. Aber was ist die Alternative? Lieber kein Gottesdienst? Es ist eine Ermessensentscheidung zwischen Datenschutz und Infektionsschutz.

(Natürlich ließen sich mit mehr Vorlaufszeit auch andere Dienste nutzen, aber wenn es gilt, innerhalb eines Tages einen Gottesdienst vorzubereiten und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, muss man die Messenger-Dienste und Sozialen Netzwerke nutzen, die in der Gemeinde in Gebrauch sind.)

WhatsApp-Gottesdienst statt Gottesdienst-Absage

Der Gottesdienst der spanischsprachigen evangelischen Gemeinde in Duisburg stand heute kurz davor, abgesagt zu werden. Die Entscheidung war: Kein Gottesdienst oder ein Gottesdienst via Internet. WhatsApp ist das in der Gemeinde meistgenutzte Kommunikationsmittel. Daher die Entscheidung, WhatsApp als Kanal für den Gottesdienst zu nutzen. Also statt Gottesdienst im Gemeindehaus, morgen nun Gottesdienst via WhatsApp.

Gottesdienst ist Gemeinschaftsgeschehen

Gottesdienst bedeutet Gemeinschaft, dies heißt auch, dass Menschen sich gemeinsam an einem Ort versammeln. Wenn es kein Ort in der Kohlenstoffwelt ist, dann eben online. Wichtig ist, dass Menschen live zusammen kommen. Das geht über WhatsApp. Deshalb wurde für den digitalen Gottesdienst ein WhatsApp-Gruppenchat angelegt. Die Einladung zu dieser Gottesdienst-WhatsApp-Gruppe kann einfach über einen Link erfolgen, der sich natürlich über WhatsApp, aber auch über E-Mail versenden lässt. Außerdem können Gemeindemitglieder – zu denen WhatsApp-Kontakte bestehen – direkt über WhatsApp hinzugefügt werden.

Natürlich hätte man auch einfach Predigt und Gebet aufnehmen können und dann online bereitstellen oder per Mail versenden können. Aber dann wäre es eben kein gemeinsames Geschehen gewesen.

Natürlich können Familien gemeinsam am WhatsApp-Gottesdienst teilnehmen, indem sie WhatsApp-Web nutzen und dann auf einem Bildschirm gemeinsam dem Gottesdienst folgen. Dies ermöglicht es auch, ältere Gemeindeglieder einzubeziehen, die kein Handy haben.

Chatandacht mit YouTube-Links

Der Gottesdienst folgt einer reduzierten Liturgie, da es länger dauert zu tippen als zu sprechen. Diese steht auch über ein Etherpad-Board bereit. Darüber fand auch die Gottesdienstvorbereitung statt. Statt der gesungenen Lieder gibt es Links zu YouTube-Musik-Videos (schade, dass manchmal auf YouTube Werbung eingeblendet wird, aber das geht auf die Schnelle nicht anders), man kann mitsingen oder nur zuhören. Die Predigt gibt es ebenfalls als YouTube-Video. Letztlich folgt der Gottesdienst dem Schema einer Chatandacht.

Dies ist der Stand heute am Abend vorher, nach dem Gottesdienst werde ich diesen Blogpost fortsetzen und vom Gottesdienst berichten.

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Seelsorge als Videokonferenz? Wir müssen es endlich ausprobieren (nicht nur wegen Corona)

Webcam (Asim18 / CC BY-SA)

Seelsorgegespräche über Internet sind eigentlich nichts Neues. Bereits 1999 führte Matthias Jung, Pfarrer am Niederrhein, die Taufvorbereitung per E-Mail durch. Die erwachsene Taufinteressierte aus Ostdeutschland war über das Internet auf ihn aufmerksam geworden und hatte Kontakt geknüpft. Die Taufgespräche führte Matthias Jung über E-Mail, die Taufe fand dann in der Gemeinde des Pfarrers statt. Damals war es noch etwas Ungewöhnliches, die Presse berichtete über diese “Cybertaufe“.

Rund zehn Jahre später berichtet Pfarrer Ulrich Kasparick in seinem Blog, wie er in der Uckermark im ländlichen Brandenburg Taufgespräche über Skype führt.

Zwei Gründe nennt er für die Taufgespräche über Video-Messenger: In der Uckermark sind die Entfernungen zwischen den Orten groß. Außerdem:

„Viele junge Eltern, die taufen lassen wollen, wohnen hier nicht mehr, wollen aber in der ‘Kirche ihrer Kindheit’ auch ihr Kind taufen lassen. Also: skype. […]
So versuchen wir, Schritt für Schritt Lösungen zu finden, die uns helfen, die immer größer werdenden Entfernungen zwischen jungen und alten Menschen, zwischen älteren Menschen untereinander und mit der Gemeinde wieder zu verkürzen. Es ist ein spannendes Unterfangen.”

Falls einmal die Online-Verbindung abreißt oder nicht zustande kommt, gibt es als Fallback das Telefon.

„Es wird aber immer normaler werden.“ – bloggt Ulrich Kasparick 2012. Dies ist nicht in Erfüllung gegangen. Seelsorge per Video-Konferenz ist noch kein kirchlicher Alltag. Aber das muss sich ändern.

Ein Pilot-Projekt, um Erfahrung zu sammeln

Wir wissen nicht, wie oder ob Seelsorgegespräche als Videokonferenz funktionieren. In kirchlichen Gremien habe ich lange Zeit Widerstand gespürt, wenn ich diese Idee vorgetragen habe. Seelsorge geschehe in der face-to-face-Begegnung zweier Menschen, wurde mir entgegnet, denn durch mediale Vermittlung ginge das an Seelsorge Wesentliche verloren. Mit dieser Begründung hätte es auch keine Telefonseelsorge geben dürfen. Aber die Ablehnung wird geringer, die Akzeptanz wächst. Natürlich ist Telefonseelsorge anders als das face-to-face-Gespräch, auch Chatseelsorge ist anders. Und natürlich wird auch Seelsorge als Videokonferenz das seelsorgliche Gespräch verändern. Es geht aber eben nicht darum, die verschiedenen Formen der Seelsorge gegeneinander auszuspielen, einige Formen als defizitär darzustellen oder andere als besser zu legitimieren. Es gibt Situationen, wo face-to-face-Begegnungen nicht möglich sind und die Alternative ist: Videokonferenz oder keine Seelsorge. Mein Plädoyer: in solchen Fällen Seelsorge über Videokonferenz auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Und wenn Ergebnisse vorliegen, das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Technik steht bereit

Beispielsweise steht in der rheinischen Kirche flächendeckend eine Videokonferenz-Software bereit. Jede Pfarrerin und jeder Pfarrer kann sie nutzen. Diese Software ist zwar nicht speziell für Seelsorge ausgelegt, erfüllt aber die Voraussetzungen des EKD-Datenschutzgesetzes und des EKD-Seelsorgegeheimnisgesetzes. Technisch wird eine Konferenz so eingeleitet, dass sich der Organisator bzw. die Organisatorin der Konferenz im Portal der Landeskirche anmeldet und in der Software einen Link generiert und diesen an die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner versendet. Diese brauchen nicht im Portal angemeldet zu sein. Sie benötigen nur einen Webbrowser, um den Link zu öffnen, sowie Mikrofon und Lautsprecher bzw. Kopfhörer. Auf dem Handy oder dem Tablet ist es auch möglich, eine App zu nutzen.

Agil sein: Ausprobieren und nachjustieren

Das Bestreben, Seelsorge in einem geschützten Raum stattfinden zu lassen, gilt natürlich auch online, aber man darf die Bedingungen nicht so hoch hängen, dass das Pilotprojekt verhindert würde. Wie gesagt: der Vorschlag ist, Seelsorge als Videokonferenz zunächst in den Situationen auszuprobieren, in denen es sonst zu keiner seelsorglichen Begegnung käme. Außerdem: es gibt ja noch das Telefon als Fallback.

Beim Relaunch unserer Website habe ich agiles Vorgehen sehr schätzen gelernt. Also lieber schnell mit bestehender Technik im Kleinen etwas ausprobieren, Erfahrung sammeln und ggfs. nachjustieren als den ganz großen Wurf für Online-Seelsorge anzustreben. Wie ist die Akzeptanz von Seelsorge als Videokonferenz? Bei Pfarrerinnen und Pfarrern? Bei Klientinnen und Klienten? Verändert sich das Gespräch, wenn man Handy, Tablet oder PC nutzt? Welches Setting ist notwendig? Welche Medienkompetenz? Wie gestalten sich Nähe und Distanz per Video? Im Laufe eines Pilotprojektes werden sich sicherlich weitere Fragen ergeben, andererseits werden vermutlich einige vermuteten Fragen in der Praxis nicht relevant sein.

Neue Dringlichkeit

Die Idee für ein Pilotprojekt zur Online-Seelsorge als Videokonferenz habe ich im Februar auf einem Treffen der kreiskirchlichen Seelsorge-Beauftragten vorgestellt und um Beteiligung geworben. Genaue Einzelheiten für einen Piloten müssen mit Interessierten erarbeitet werden. Der Coronavirus macht nun deutlich, wie wichtig digitale Seelsorge ist, wenn face-to-face-Kontakte eingeschränkt werden müssen.

Natürlich können Pfarrerinnen und Pfarrer (zumindest im Rheinland) auch ohne Pilotprojekt das Portal der Landeskirche für Seelsorgekontakte nutzen. Die Technik steht bereit. Seelsorge ist auch möglich, wenn face-to-face-Kontakte unmöglich sind.

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Church meets Start-ups – Ein Pastoralkolleg im Digital Hub

Digital Church in Aachen

Erfahrungen und Impulse vom Pastoralkolleg #DigitaleKirche, an dem 15 Pfarrerinnen und Pfarrer in der Digital Church in Aachen vergangene Woche teilnahmen. Das Kolleg beginnt mit einer Führung durch die Kirche, die zu einem Digital Hub umgebaut wurde. Start-ups, die den Hub als Co-Working-Space nutzen, Mittelständler, genauso wie Ausgründungen aus der RWTH Aachen und ein Krankenhaus und andere Einrichtungen treffen hier aufeinander. Sogar ein evangelischer Kirchenkreis ist dabei wie auch das katholische Bistum Aachen, das als Eigentümerin auch die ehemalige Kirche St. Elisabeth für den Hub bereitstellt. Der Sakralraum ist zum Innovationsraum geworden.

Die Location für das Pastoralkolleg – eine Fortbildungsveranstaltung für Pfarrerinnen und Pfarrer – haben wir bewusst gewählt, da in der Digital Church Religion und Digitalisierung aufeinander treffen und bereits die Räumlichkeiten einen Gesprächseinstieg für den Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern von Start-ups anbieten.

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Andacht Pastoralkolleg #PIDK am 12.2.2020 in Aachen

Kleine Kapelle in der bischöflichen Akademie in Aachen

Eingangsliturgie

Lied: Morning has broken
Morning has broken like the first morning
Blackbird has spoken like the first bird
Praise for the singing
Praise for the morning
Praise for them springing fresh from the world

Sweet the rain’s new fall, sunlit from heaven
Like the first dewfall on the first grass
Praise for the sweetness of the wet garden
Sprung in completeness where his feet pass

Mine is the sunlight
Mine is the morning
Born of the one light Eden saw play
Praise with elation, praise ev’ry morning
God’s recreation of the new day

Morning has broken like the first morning
Blackbird has spoken like the first bird
Praise for the singing
Praise for the morning
Praise for them springing fresh from the world

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#DigitaleKirche erleben: Pastoralkolleg als Übungsfeld

Digital Church in Aachen

“Das nächste Mal machen wir es nur digital, dann kann uns kein Orkan behindern,” so eine scherzhafte Anmerkung zum Sturmtief Sabine, das die Anreise zum Pastoralkolleg “Pastorale Identität in der #digitalenKirche” in die Digital Church nach Aachen erschwert. Ganz praktisch werden wir im Kolleg ausprobieren, wie digitale Kirche funktionieren kann, welche Herausforderungen vor uns liegen und wie wir sie meistern. Das ist natürlich ein Experiment, ich bin gespannt, wie sich die Teilnehmenden darauf einlassen werden. Wie wird sich das Kolleg in Social Media abbilden? Was werden wir teilen? Was bleibt nur im Kolleg? In der Planung haben wir jedenfalls ausreichend Zeit eingeplant, um in den sozialen Netzen präsent zu sein..

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Pocast einfach gemacht als WordPress-Plug-in

Nun gibt es mein Blog als Podcast – https://theonet.de/feed/amazon-pollycast – und auch die einzelnen Posts sind als MP3 in einem Player verfügbar. Dafür nutze ich das WordPress-Plug-in AWS for WordPress. Da ich mein Blog auf AWS hoste, konnte ich den Podcast über das bestehende AWS-Konto einrichten.

Polly als WordPress-Plug-in einrichten

YouTube-Tutorial

Das Video-Tutorial führt gut durch das Set-up auf https://console.aws.amazon.com/iam/home#/hom, kann man die Einrichtung vornehmen, im Plug-in auf WordPress ist selbsterklärend. Wer auf AWS setzt, kann so in Kürze einen Podcast aufsetzen und eine Sprachausgabe für eine WordPress-Instanz aufsetzen.

Fortsetzung: Klausurtag “Digitalisierung” in einer Kirchengemeinde – die Entscheidung

Im Herbst war ich in einer Gemeinde zu einem Workshop-Tag zum Thema “Digitalisierung”. Gemeinsam wurden von Mitgliedern des Presybteriums, Mitarbeitenden und fachkundigen Gemeindegliedern mögliche Digitalisierungsprojekte skizziert. Der Trichter war bewusst weit gefasst, es gab keine Denkverbote. Nun erfolgte in einer Klausurtagung des Presbyteriums die Auswahl, welche Projekte umgesetzt werden sollen.

Keine zufällige Auswahl

Ich schreibe diesen Blogpost, da ich das Vorgehen der Gemeinde für exemplarisch halte, denn sie geht das Thema Digitalisierung strategisch an. Auf dem Workshop-Tag waren konkrete Projektskizzen von Kleingruppen erarbeitet und im Plenum vorgestellt worden. Daran konnte die nun folgende Klausurtagung des Presbyteriums anknüpfen. Aufgrund des vorherigen Workshops war den Gemeindeältesten klar, was genau die jeweilgen Projekte für die Gemeinde bedeuten würden. Man brauchte keine Verständnisfragen mehr klären, sondern konnte sich auf die Entscheidung konzentrieren.

Eisenhower-Matrix

Nach einer kurzen Einführung teilt sich das Presbyterium in vier Kleingruppen auf. Diese bewerten die vorgeschlagenen Projekte nach der Eisenhower-Matrix und priorisieren die Projekte nach Wichtigkeit und Dringlichkeit. Die Ergebisse der Kleingruppen werden gebündelt in eine neue Matrix übertragen. Interessant: Die Einschätzungen aus den Kleingruppen sind sehr ähnlich, so dass die Prioritäten ohne weitere Diskussion feststehen und man einen Plan hat, welche Projekte in welcher zeitlichen Reihenfolge angegangen werden.

Prioritäten auch auf technische Abhängigkeiten und Aufwand überprüfen

Als Projekt mit der höchsten Dringlichkeit wird ein Terminkalender mit Ressoucenplanung identifiziert. Ein digitaler Schaukasten erhält eine niedrigere Priorität. Dies passt auch für die technische Abfolge: Sobald ein Terminkalender einegführt ist, können Inhalte daraus auch auf einen Display-Schaukasten ausgespielt werden. Andere Projekte haben zwar nicht die höchste Priorität, sind aber unaufwändig umsetzbar. Für datenschutzkonforme Kommunikation steht die KonApp bereit. Die für die Konfirmandenarbeit zuständige Pfarrerin und Pfarrer erklären sich bereit, diese App beim nächsten Jahrgang einzusetzen und dann zu berichten. Die Präsenz bei Suchdiensten und insbesondere bei Google lässt sich einfach optimieren, eine Presbyertin erhält den Auftrag, ein GMB-Konto für die Gemeinde einzurichten. Auch dies kann ohne weiteren Vorlauf geschehen. Die Neugestaltung der Homepage wird zunächst zurückgestellt. Wenn der Terminkalender eingeführt ist, können darüber wesentliche Inhalte der Website abgedeckt werden.

Für die Umsetzung bei Projekten gibt es technische Abhängigkeiten, diese sind natürlich auch zu beachten, wenn man aus den Prioritäten die Abfolge der Projekte ableitet. Was aber nicht zu vergessen ist: die Gemeinde und das Presbyterium darf sich nicht überfordern. Auch die Ressourcen zur Projektsteuerung sind nicht unendlich. Daher werden weiter Ideen zunächst zurückgestellt, sie werden wieder beraten, wenn die Projekte mit höherer Priorität umgesetzt sind.

Das Thema Kollektomat und digitale Kollekte werden als wichtig bewertet, aber nicht als dringlich beschrieben. Aber bei diesem Themenkomplex ist klar: eine Gemeinde kann dies nicht alleine stemmen. Daher wird verabredet: hier ist man lieber Partner, wenn en anderer Player – sei es eine kirchliche Bank oder die Landeskirche – jemand suchen, der bei einem Piloten teilnimmt.

Fazit: Digitalisierung ist Leitungshandeln

Ich erlebe es, dass häufig Digitalthemen aufgrund von Zufälligkeiten angegangen werden – weil z.B. eine Agentur an eine Gemeinde herantritt oder eine Interessensgruppe sich besonders lautstark äußert. Bei dem hier dargestellten Vorgehen dagegen geht es zunächst um Partizipation. Presbyteriumsmitglieder, Mitarbeitende und fachkundige Gemeindeglieder haben zunächst an einem Workshop-Tag ohne Denkverbote konkrete Projektideen für ihre Gemeinde entwickelt. In einer zweiten Runde hat dann das Presbyterium als gewähltes Leitungsorgan diese bewertet, Prioritäten gesetzt und dabei Aufwände und technische Anhängigkeiten in die Entscheidung einbezogen. Ein Vorgehen, das als Vorlage für andere Gemeinden dienen kann.

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Politik, Geschichte, Religion: Maria, hilf uns Christen!

Anfang Januar zu Besuch in Granada. Persönliche Eindrücke, subjektive Wahrnehmungen. Während in Deutschland Weihnachten bereits vergangen ist, sind die Straßen in Granada noch voll von Weihnachtsdekorationen und Krippenaustellungen. Traditionell gibt es auch erst am 6. Januar, dem Dreikönigstag oder Reyes, die Bescherung. Mitten in die spanische Weihnachtszeit fällt am 2. Januar auch die “Toma de Granada” – und hier stellt sich auch schon das Problem der Übersetzung: Übergabe, Eroberung oder Einnahme? Je nachdem wie man das Ereignis benennt, deutet man Geschichte – und auch das Selbstverständnis des modernen Spaniens. Am 2. Januar 1492 fiel Granada an die “Katholischen Könige”, auf Spanisch Reyes Católicos, nämlich an Isabella I. von Kastilien (1451 – 1504) und an Ferdinand II. von Aragón (1452 – 1516).

Damit war das letzte muslimische Emirat auf der iberischen Halbinsel zerschlagen und die christlich-spanische “Reconquista” beendet. Das islamische Al-andalus wurde zum christlichen Andalusien, Spanien wird ein katholisches Land. Die bei der Übergabe von Granada zugesagte Toleranz wurde nicht eingehalten, bald hatten die muslimischen Bewohnerinnen und Bewohner nur die Wahl zwischen Auswanderung nach Afrika oder Bekehrung zum Christentum.

Gottesdienst am 2. Januar 2020 in der Kathedrale von Granada

Reconquista und Gegenwart

Der Abschluss der Reconquista wird jedes Jahr am 2. Januar mit einem Gottesdienst in der Kathedrale von Granada gefeiert, im Namen Marias als “Nuestra Señora Auxilio de los Cristianos” wird die Messe gefeiert. So wird Jesu Mutter zur Verteidigerin der Christenheit gegen die Muslime. Auf den Straßen Granadas Menschen in historischen Kostümen, die mit Touristen für Selfies posieren. In der Kathedrale die Honorationen der Stadt, die nach der Messe in die nebenan gelegene Grabstätte der Katholischen Könige ziehen und den christlichen Eroberern der Stadt huldigen..

Soldaten der Legión Española in Granada

Es geht aber nicht nur um Geschichte, sondern auch um eine Deutung der Gegenwart. Auf der Straße sind auch Soldaten der Legión Española in ihren traditionellen Uniformen. Die spanische Legion ist eine Elite-Einheit, die hauptsächlich in den spanischen Besitzungen in Nordafrika zum Einsatz kam. Im spanischen Bürgerkrieg kämpfte sie auf Seiten Francos. Wenn ihre Mitglieder am Gedenktag der Reconquista in Uniformen paradieren, zeigt dies die Verbindung von rechtem Denken, von Religion und Politik, dass ein christliches Spanien auch heute noch gegen Islam verteidigt werden muss.

Während ich auf Spanien blicke, fällt mir natürlich ein, dass es in Deutschland auch Verteidiger des Abendlandes gegen den Islam gibt: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz Pegida. Die historische Legitimation ist anders, aber die Abgrenzung gegen den Islam dieselbe.

Ein anderes Spanien

Arabische Lampen in Souvernir-Läden

Daneben gibt es auch ein anderes Spanien. Auf ihren offiziellen Tourismus-Seiten nennt sich die Provinz Granada explizit “Granada LGBT Friendly” – und betont, dass es dabei nicht primär um eine sexuelle Orientierung gehe, sondern um Freiräume. So ist Granda eben auch eine weltoffene Stadt. Sie zieht Studierende, Touristinnen und Touristen und Migranten und Migrantinnen an. Wurden im 16. Jahrhundert Muslime zur Zwangskonversion gezwungen, gibt es heute viele Touri-Shops und Restaurants in arabischer Hand. Allerdings: zwischen der arabischen Immigration heute und der islamischen Geschichte vor der Reconquista gibt es keine Verbindung – außer dass Besucherinnen und Besucher der maurischen Sehenswürdigkeiten gerne arabische Souvernirs kaufen.

Nation und Religion

Monasterio Cartuja in Granada

Es gibt verschiedene Narrative. Eine Ausstellung im Museum der Alhambra zeigt, wie islamische Künstler wegen ihrer Ornamentik durchaus als Maler in christlichen Kirchen geschätzt wurden, umgekehrt waren christliche Künstler wegen ihrer figürlichen Darstellungen am Hof der islamischen Herrscher gut angesehen. Es gab kulturellen Austausch, neben Islam und Christentum gab es auch das Judentum.

Kulturell, politisch und ethnisch war die iberische Halbinsel zersplittert. Die (katholische) Religion wurde die einende Klammer Spaniens nach der Reconquista. Daher die Zwangskonversionen der Muslime und Juden – falls sie nicht auswanderten. Das geeinte Spanien entstand als katholische Nation – ohne Muslime, Juden und auch ohne Protestanten. Die Inquisition garantierte nicht nur den rechten Glauben, sondern vor allem auch die Einheit der Nation: Spanier sind Christen.

Dieses Selbstverständnis hinterlässt Spuren und prägt das Unterbewusstsein. Im Palacio de los Olvidados, einem innerstädtischen Palast in Granada, gibt es das kirchenkritische Museum der Inquistion. Ohne inhaltlichen Zusammenhang ist eine Etage dieses Museums auch dem Flamenco gewidmet. Eine Schautafel weist die verschiedenen ethnischen Wurzeln des Flamenco nach. Auf einer Karte der iberischen Halbinsel werden Völker aufgelistet, neben den Westgoten und Arabern gibt es die “Cristianos” – Christen ist zum Synonym für Spanier geworden.

Momentaufnahmen

Granada ist eine faszinierende Stadt, voller Geschichte und mit einer vibrienden Gegenwart. Weltoffen einerseits, andererseits eingebunden in eine Geschichte, die neben Epochen der Toleranz eben auch die Inquistion umfasst. Die hier dargestellten Eindrücke sind Momentaufnahmen einer Reise in eine geschichtsträchtige Stadt.

Soweit ich es kann, verfolge ich die Politik in Spanien. Das Land scheint mir in zwei Lager gespalten. In der Auseinandersetzung geht es auch um die Identität Spaniens. Diese kann aber nicht losgelöst von seiner Geschichte betrachtet werden.

Rassisten schüren Ängste vor einer Islamisierung Europas. Sie geben einfache Antworten und vereinfachen Geschichte. Die Wirklichkit aber ist komplexer – und Religion und Nation sind eben keine Einheit. Dies ist zumindest für mich eine Lehre aus dem Besuch in Granada.

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Internet Governance Forum 2019: Can Discussions translate into Actions?

I felt honored when I was asked to attend the Internet Governance Forum (IGF) on behalf of the World Association for Christian Communication. For a first time attendee it is hard to understand how the IGF actually works. Cars with diplomatic registration plates dropping off government officials in front of the conference center in Berlin, UN police officers guarding the site. Looking at the IGF schedule did not make it easier. Although the various tracks (Data Governance, Digital Inclusion and Safety / Security / Stability / Resilience gave some orientation, it was hard to choose a personal schedule as quite often similar topics were dealt with in parallel sessions. I tried to focus my participation on WACC-related topics.

A Word describing IGF: Multistakeholderism

As mandated by the UN, “the IGF is a global multistakeholder platform that facilitates the discussion of public policy issues pertaining to the Internet”, bringing together collective expertise from government, business, the technical community, and civil society.

“Multistakeholderism” describes what the IGF is about., bringing together the different stakeholders and engaging them in dialogue. The fundamental question is: how can the results of these discussions be translated into tangible actions and Internet governance?

It was interesting to see who was present and who was not. IGF2019 being held in Germany, obviously there was a strong German and EU presence. However, there was also – thanks to the host nation – a sizable number of participants from the global South. In various sessions, representatives of Google and Microsoft were present as panelists or participants. I did not see anybody from Facebook or Amazon. Dealing with hate speech while preserving free speech was discussed widely, Facebook’s absence from IGF is telling.

Hate Speeach and Freedom of Speech

In the session “Tackling Hate Speech: A Multi-Stakeholder Responsibility” examples were given that Facebook often does not take down illegal hate content because its community standards are not violated. On the other hand, legal content is deleted as a violation of the Facebook’s community standards. Google’s community standards are different from Facebook. A representative from Google explained that the company applies a threefold approach to moderation of YouTube video content: users can flag content, there are trusted flaggers and machine learning. Nine million videos were taken down in Q2 of 2019, 78 percent identified by machine learning.

Questions that need further discussion: how do global community standards of US companies relate to local values and laws? If AI is used to find illegal content, how can flawed decisions be avoided if most data used to train AI comes from Western countries?

Bringing together stakeholders from government, business, the technical community, and civil society means that various approaches to combat hate speech are discussed. The situation is also different in each country.

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Demanding tougher laws against hate speech in Europe can be counterproductive regarding human rights in MENA countries. With reference to European laws, authoritarian regimes use regulations to censor free speech.

Does the Internet become the Splinternet?

Internet governance is becoming more complicated as some countries try to gain national control of the Internet. In the African context, cyberlegislation is often used to stiffle the freedom of expression and democratic protests. Some countries shut down the Internet before elections. Others try to gain control over ISPs and thus control Internet access. Technology often deveolops faster than human rights. Notably China and Russia impose their own geographical boundaries on the Internet by creating their own versions of the net. Interoperabilty of the networks is not part of international law, states have the normative power. Therefore the multistakerholder approach of Internet Governance Forum is more important than ever to maintain the Internet as a self-governing net, so the conclusion of the session “Splinternet: What Happens if “Network Sovereignty Prevails“.

Ethics and Human Rights

Technology, especially AI is developing fast. What are the ethical principles behind AI, machine learning and IoT? If data to train AI comes from Western contexts, how can bias and discrimination by algorithms be prevented when the data is used in a global situation? When IoT becomes prevalent and integrated in everyday life, how can human rights be guaranteed? What values are essential when developing and implementing these technologies?

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It is hard to predict how the Internet will develop. Can multistakeholderism foster democratic standards of Internet Governance? Therefore it is importart that civil society will contribute their expertise and their focus on communication rights and their advocacy of human rights.

The IGF provides a setting in which represenatives of the WTO and digital activits of the South discuss how free cross-boder flow of data affects developing countries. Where else could these discussions take place?

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In order to promote digital justice, WACC has joined the Just Net Coalition. I believe WACC can fulfill its mission in advocy for communication rights and make a contribution by being a voice in the IGF.

Digital Justice Manifesto

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